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Die Taten der Opfer: Ein Blick zwischen die Zeilen.

Teil 7: Südtiroler Klöster: ein Ausflug an die Schauplätze des Romans

Die Klöster Neustift und Säben: Wo es begann, wo es endete.

Anne Marschall verbrachte ihre Jugend in einem Internat im Norden Brixens: dem Kloster Neustift bei Vahrn. Das 1140 gegründete Augustinerkloster unterhält ein Schülerheim und ein Bildungshaus. Die dort lebenden Chorherren führen außerdem eine eigene Kellerei.

Die einzigen Personen, die es dort gut mit Anne meinten, waren ihre Geschichts- und Religionslehrerin Giaccaleone und der Gärtner Unterkofler. Nach dem sogenannten „Unfall“, den einige Mitschülerinnen provoziert hatten und bei dem Anne Marschall ein Auge verlor, wurde sie mit Hilfe ihrer Lehrerin in das altehrwürdige Kloster Säben oberhalb Klausens gebracht. Dort verbrachte Anne Marschall ihre laut eigener Aussage „besten Jahre“ in freiwilliger Klausur und begann mit dem Schreiben.

Der Kreis der Klöster schließt sich mit dem Ende des Romans. Anne Marschall und ihre Komplizin Giaccaleone werden dingfest gemacht und zu einer langen Haftstrafe verurteilt. Diese werden sie allerdings nicht im Frauengefängnis absitzen, sondern an einem Ort, der vor allem Anne Marschall selbst wieder zu ihren Ursprüngen zurückführt: Kloster Neustift!

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Die Taten der Opfer: Ein Blick zwischen die Zeilen.

Teil 4: Darf ich vorstellen? Anne Marschall Mobbing in Schulen: Der wahre Hintergrund des Romans.

Es ist ein leidiges Thema, dieses Mobbing in den Schulen. Früher waren es Hänseleien auf dem Schulhof, vielleicht wurde man dann und wann geschubst oder auch mal heimlich geschlagen, fand sein eigenes Fahrrad mit aufgeschlitzten Reifen vor und hatte Bauchweh, wenn man in die Schule musste. Man war das Opfer und niemand war sich zu schade dafür, nochmal draufzuhauen. „Warum wehrst du dich nicht einfach?“, wurde ich gefragt. Ich konnte es nicht. Sie waren zu viele und wechselten sich ständig ab. Mal waren es die Mädchen aus der eigenen Klasse, dann die aus der Parallelklasse, dann die vom Sportverein, man hatte es schließlich immer mit denselben pickenden Hühnern zu tun. Mit Ende der Schulzeit lernte ich tatsächlich, ihnen Paroli zu bieten. Diese Schutzfunktion habe ich bis heute aufrechterhalten und stetig verbessert, nun habe ich Haare auf den Zähnen und kann mich mit Worten bestens wehren. Vielleicht hätte damals ein Bruchteil dieser Schlagfertigkeit gereicht, um die Zimtzicken in Zaum zu halten. Stattdessen wurden die Noten schlechter, das Bauchweh ärger und ein Psychologe musste zu Rat gezogen werden.

Heute ist es anders und anscheinend schlimmer. Den Mobbern hilft das Internet bei der Verbreitung ihrer Dummheiten, Mitschüler und Lehrer werden gefilmt, fotografiert und dann in Streaming ausgelacht. Bodyshaming, das zu Essstörungen bei Jugendlichen führt. Beleidigungen und Erniedrigungen, die im Burnout enden.

Dürfte ich einen Appell in die Welt hinausschreien, wäre er: Lasst es sein und respektiert euch. Es ist einfacher, als ihr denkt.

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Die Taten der Opfer: Ein Blick zwischen die Zeilen

Teil 3: Darf ich vorstellen? Anne Marschall

Ihre ursprüngliche Rolle in „Annes Schwester“ und ihre heutige Figur in „Die Taten der Opfer“

Ich habe dem Roman „Die Taten der Opfer“ einen Spitznamen verpasst und ihn „Annes Schwester reloaded“ genannt. Anne Marschall wurde bereits im Jahre 2015 erfunden, und zwar als Mörderin in dem Thriller „Annes Schwester“: Was mit einem Ideenwettbewerb für ein neues Buch beginnt, führt zu furchtbaren Erinnerungen an eigene Mobbing-Erfahrungen in der Schule und dem bösen Erwachen, als sie aus der Zeitung von rätselhaften Morden an mehreren Schülerinnen erfährt.

Die neue Anne Marschall hat mit ähnlichen Erinnerungen zu kämpfen. Eines schönen Tages erhält sie die Einladung zum dreißigjährigen Klassentreffen. Sie selbst war die Außenseiterin der Klasse im Mädcheninternat, weil sie sich mehr für Geschichte, Religion und das Mittelalter als für das moderne Leben pubertierender junger Damen interessierte. Man hänselte sie, schlug sie, verachtete sie, verletzte ihr Gesicht und entstellte sie für immer. Anlass genug für unsere Protagonistin, sich ganz im Sinne ihrer Liebe zum Mittelalter an ihren Widersacherinnen zu rächen.

Anne Marschall wird als eine Frau mit mehreren Gesichtern dargestellt. Sie ist die in sich gekehrte Autorin, die sich ihre eigene Welt in ihrer kleinen Wohnung im Brixner Stadtteil Stufels geschaffen hat. Sie ist die gute Freundin ihrer Assistentin Marlene Pittscheider, deren Leben sie gerettet hat und um die sie sich nun fast mütterlich kümmert. Sie ist eine Verehrerin Oswald von Wolkensteins und eine Vertreterin mittelalterlicher Lasten und Tugenden.

Und sie ist ein Opfer ihrer Vergangenheit, die sie wiederum zur Täterin macht.

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Die Taten der Opfer: Ein Blick zwischen die Zeilen.

Teil 2: Darf ich vorstellen? Kommissar Filippo Magnabosco

Filippo Magnabosco und das ewige Pech

Jeder Mensch hat einen Begleiter im Leben. Das kann ein guter Freund, ein Ehepartner, ein Hund sein, vielleicht auch einfach nur ein Lied oder ein Gefühl, das uns für immer treu bleibt. Auch Filippo Magnabosco hat einen Compagnon: sein stets präsentes Pech, das ihn niemals im Stich lässt.

Gleich zu Beginn des Buches, als unser neuer Kommissar sich vorstellt, findet er die Mahnung der Telefongesellschaft im Briefkasten, bemerkt, dass er in einen Hundehaufen getreten ist, vergisst seinen Schlüssel, wartet auf seine Freundin, die ihn eigentlich verlassen will und verpasst, dass seine Fußballmannschaft glamourös absteigt. Aber Magnabosco nimmt es gelassen, nichts kann ihn aus der Ruhe bringen.

Diese Pechsträhne verfolgt Filippo Magnabosco schon Zeit seines Lebens. Als er zum ersten Leichenfundort gerufen wird, erinnert er sich an seine Jugend. Ein Mädchen hatte er ausführen und sie auf einer Parkbank am Brixner Eisackufer küssen wollen, doch sie zierte sich und lief davon. Als er schließlich traurig und frustriert nach Hause kam, standen ihre Schuhe vor der Zimmertür seines Bruders. Und nun ist da Clara, die Frau mit der er eine On-Off-Fernbeziehung der besonders komplizierten Art unterhält. Sie verlässt ihn, kommt zurück, kann nicht ohne ihn und nicht mit ihm leben. Gut, dass es da noch die eine gibt, die Magnabosco von nun an begleiten wird, egal, ob er will oder nicht: Carmela Pasqualina, seine neue Partnerin, die vielleicht doch nicht ganz so übel ist, wie Magnabosco zunächst befürchtete.

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Die Taten der Opfer: Ein Blick zwischen die Zeilen

Teil 1: Darf ich vorstellen? Kommissar Filippo Magnabosco!

Spannendes Hintergrundwissen für Fans der Südtirol-Krimis:
In diesem siebenteiligen Podcast-Special wird wöchentlich Neues über die Protagonist:innen des Romans „Die Taten der Opfer“, über die spektakulären Schauplätze in ganz Südtirol, und auch über die faszinierende historische Figur des Minnesängers und Ritters Oswald von Wolkenstein, der Pate für den Bösewicht des neuen Südtirol-Krimis stand, verraten.

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Schreibroutine – Teil 2

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Der Bozen-Krimi im Raetiaverlag: Das Gefühl, am richtigen Ort angekommen zu sein.

Wir machen einen Zeitsprung ins Jahr 2021. Ich hatte bereits ein Buch veröffentlicht, es lag und liegt in den Buchhandlungen aus. Mit Edition Raetia hatte ich mich auf ein Buchprojekt geeinigt, dann kam die wunderbare Anfrage, die Reihe der Bozen-Krimis zu übernehmen, sprich, die Drehbücher in handliche Romane zu verwandeln. Das Rezept dafür: Es muss draußen dunkel sein (das braucht die Dark, sonst hieße sie nicht so), die richtige Playlist (ja, ich gebe es an dieser Stelle zu: ich habe mir Spotify noch immer nicht heruntergeladen sondern benutze Youtube, so richtig retro), ein wenig Kerzenlicht (wie altmodisch und gefährlich!) und… nein, keine Feder mit Tinte, sondern einen PC mit Officepaket. All dies führt in den besten Fällen zur richtigen Schreibstimmung. Nun nehme man das Drehbuch mit den Dialogen und Regieanweisungen und formuliere es so, dass es zu einem Fließtext wird.

Wenn man frische Luft braucht, lohnen sich Ausflüge an die Drehorte. Der Bozen-Krimi ist ja bekanntlich ein Zusammenschnitt vieler schöner Südtiroler Ortschaften, die man jederzeit besichtigen kann. Bei „Verspieltes Glück“ habe ich mich in Meran, Langfenn und in Eppan umgesehen, die Luft dort eingeatmet, die Geräusche und Gerüche verinnerlicht, Fotos gemacht, die Eindrücke mit nach Hause genommen und dort zu Papier gebracht. Manchmal in wenigen Zeilen, manchmal wurden daraus sogar zusätzliche Kapitel.

Dann die Sache mit den Charakteren, die die Schauspieler verkörpern. Immerhin haben wir es mit dem Bozen-Krimi zu tun, da sind Chiara Schoras, Gabriel Raab, Hanspeter Müller-Drossaart, Stefano Bernardin und viele weitere Größen der Filmbranche beteiligt. Sie sind Polizisten, Ermittler, Bösewichte, zeigen Freude, Traurigkeit, Schwäche, Stärke, Macht und Ohnmacht: All dies musste in den Roman mit hinein. Ich musste diese Menschen, die sie darstellen, kennenlernen, also sah ich mir die älteren Bozen-Krimis an und beobachtete ihre Entwicklung. Ein direktes Treffen mit den Schauspielern am Set hingegen habe ich vermieden. Nicht, weil es mich nicht interessiert hätte, aber ich wollte ihnen gegenüber neutral bleiben. Und außerdem: Sie sahen mir beim Schreiben ja auch nicht über die Schulter 😉.

Noch drei kleine Gänsehautmomente, die ich euch keinesfalls vorenthalten möchte: Der erste kam zwei Wochen vor der Veröffentlichung zustande, als Felix, Projektleiter der Edition Raetia, mir das Büchlein mit einem Lächeln in die Hand drückte und ich mit dem Team anstoßen durfte. Der zweite, als ich den Bozen-Krimi dann im Fernsehen verfolgte, und bereits alle Details des Films kannte. Und der dritte, als ich den Roman leibhaftig in der Buchhandlung entdeckte. Und da behaupte mal noch einer, Bücher seien nichts Aufregendes!

Vielleicht habt ihr ja jetzt auch Lust, euch auf eine „kriminelle“ Reise durch Südtirol zu begeben?

Viel Spaß dabei wünscht euch: Eure Simone.

Schreibroutine – Teil 1

Lange, lange ist es her… ein Bild aus dem Jahre 2013.

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Zu den Fragen

Wann hat das eigentlich mit dem Schreiben bei dir angefangen?

Wie schreibst du?

möchte ich in den nächsten Podcasts ein bisschen aus meinem Federmäppchen plaudern. Ein Nähkästchen besitze ich nämlich leider nicht.

Zu ersten Frage. Nun, „das mit dem Schreiben“ muss so etwa in meinem sechsten Lebensjahr begonnen haben, als man es für sinnvoll erachtete, mich zur Schule zu schicken. Man brachte mir einen Buchstaben nach dem anderen bei und bald konnte ich daraus erste Worte und dann sogar Sätze bilden 😊. Scherz beiseite, diese Schinderei haben wohl die meisten von uns mitgemacht. Also, Hand aufs Herz: Die ersten Kurzgeschichten habe ich bereits im süßen Alter von etwa vierzehn Jahren verfasst, als ich mich unsterblich in einen Kerl verliebt hatte. Ich habe ihm die heftigsten Liebesdramen gewidmet, schade nur, dass er es nie mitbekommen hat und ich zu schüchtern war, sie ihm zu unterbreiten.

Mit dem Studium wurde das emotionale Schreiben dann weniger und ich konzentrierte mich auf technische Texte. In sechs Unijahren erlernte ich das Übersetzen italienischer und französischer Rechtstexte, Bedienungsanleitungen, Zeitungsartikel usw. Gleich nach dem Studium verschlug es mich nach Südtirol, wo ich dann meine Berufung zum Beruf machte.

Vor knapp zehn Jahren holte mich das kreative Schreiben allerdings wieder ein. Es war im Oktober 2013, als ich in einer einsamen Stunde plötzliche Lust auf eine Lovestory verspürte und dieser auch nachgab. Der ersten Liebesgeschichte folgte eine zweite, daraus wurden so viele, dass es tatsächlich für ein kleines Taschenbuch reichte. Doch was tun mit einem Manuskript, an dem eigentlich keiner so recht interessiert ist? Klar: Selfpublishing war angesagt. Ich muss allerdings sagen, dass dies ein nicht besonders lohnender Knochenjob war, den ich bald wieder hinschmiss.

Es war also an der Zeit, die Strategie zu ändern. Ich versuchte zunächst, den Buchmarkt als solches zu verstehen und merkte bald, dass Autoren ohne Verlag überhaupt keine Chance haben. Dann gab es da noch Agenten, die sich für viel Geld darum kümmerten, dass das eigene Manuskript irgendwo angenommen wird. Auch hier galt: no money, no chance. Und money hatte ich zu jener Zeit echt so gar keins. Also versuchte ich es auf bei regionalen Verlagen und wurde tatsächlich angenommen.

Und in der nächsten Ausgabe erzähle ich euch dann, wie „das mit dem Schreiben“ tatsächlich funktioniert.

Bis bald,

Eure Simone.

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Nur ein paar Worte zum Bozen Krimi, so schwer kann das doch nicht sein …

Ein paar persönliche Worte, meinte mein Projektleiter, wären doch ganz nett, da freuen sich die Leser:innen ganz bestimmt. Ja klar, antwortete ich, mach ich gerne. In diesem Moment wusste ich allerdings noch nicht, wie schwierig es sein würde, diese auch zu finden.

Wo soll ich anfangen? Nun, die Sache mit dem Bozen-Krimi begann eigentlich mit einer gewaltigen Überraschung vor genau einem Jahr. Ich war, glaube ich, gerade damit beschäftigt, die Wohnung zu putzen, als – pling – eine E-Mail hereinkam. Absender war die Edition Raetia, mit der ich mich gerade erst zur Besprechung eines neuen Krimiprojektes getroffen hatte.

Ich öffnete die Post und musste mich erstmal setzen: Da öffnet sich ein neues Krimifenster, schrieb mir der Verleger. Hätten Sie Lust (ja, damals haben wir uns noch förmlich gesiezt), die kommenden Bozen-Krimi-Drehbücher in Romane zu verwandeln? Ich prüfte noch einmal das Datum, nein, wir hatten März, es war also kein Aprilscherz. Ich schrie: „Jaaaaa!“ Ich schrieb: „Ja.“ Mein Glück über dieses grandiose Angebot konnte ich noch lange Zeit nicht fassen.

Es folgte ein schreibintensives Jahr. Nicht nur der eigene Krimi musste fertig werden, sondern auch zwei Folgen der Bozen-Krimis, die 2022 in der ARD ausgestrahlt werden würden. Die Arbeit bestand darin, aus den bereits vorliegenden Drehbüchern Romane zu schreiben, mich in die Darsteller:innen der Fernsehserie hineinzuversetzen, mir die Schauplätze anzusehen und viel Südtiroler Flair in die Handlung zu bringen. Die enge und vertraute Zusammenarbeit mit Felix Obermair von der Edition Raetia, den ich an dieser Stelle unbedingt namentlich nennen möchte, verwandelte diesen Arbeitsberg in ein dynamisches, interessantes und bereicherndes Projekt.

Und nun ist es endlich soweit: Das Manuskript des Bozen-Krimis „Verspieltes Glück“ wurde korrigiert, gelayoutet, gedruckt, mit einem wunderschönen Cover versehen und liegt ab heute in den Buchhandlungen auf. Und wenn ihr zufällig schon in die Fernsehzeitung geschaut habt, habt ihr vielleicht auch entdeckt, dass genau heute Abend um 20:15 Uhr die gleichnamige TV-Folge in der ARD zu sehen ist. Worum es geht? Um einen erstochenen Holzschnitzer, komplizierte Familienbande, verzweifelte Mütter und einen Schlag gegen die Mafia, bei dem über Leichen gegangen wird. Kein leichter Fall für Sonja Schwarz und ihre Kollegen Kerschbaumer Junior und Senior.

Der Holzschnitzer Vitus Höllrigl liegt erstochen in seiner
Werkstatt. Doch offenbar hat noch jemand versucht, ihn
zu retten. Also Mord im Affekt?
Kommissarin Sonja Schwarz und ihr Kollege Jonas Kerschbau-
mer müssen nicht lange nach Verdächtigen suchen, denn durch
seine Spielsucht brachte Höllrigl viele gegen sich auf. Beim Ho-
telier Staffler hatte der Ermordete hohe Schulden.
Privat entfremdet sich Sonja immer mehr von Riccardo Riello,
da dieser bereit ist, sehr weit – für Sonja zu weit – zu gehen, um
den entscheidenden Schlag gegen den Mafiaboss Lagagna zu
führen.

Angenehmes Lauschen, einen spannenden Fernsehabend und eine gute Lektüre wünscht euch: Eure Simone. 

https://cloud.simonedark.de/index.php/s/BiRbYKRW8CeAs6M

Lesetermine im Herbst 2019

Auf in eine neue Leserunde!

Termine im Herbst 2019 sind:

30. September 19:30 Uhr Schloss Pienzenau bei Meran (Italien, Südtirol)

https://www.athesia-tappeiner.com/de/veranstaltungen/autorenlesung-kaltes-weiss-0

 

21. Oktober 19:00 Uhr Bibliothek Martell (Italien, Südtirol)

 

27. Oktober 14:00 Uhr bis 17:00 Uhr Bücherflohmarkt Ichenheim (Deutschland)

https://www.kulturverein-ichenheim.de/veranstaltungen.html

Kaltes Weiss – ein Heimatthriller

Ferdinand streckte sich, drückte den Rücken durch und setzte sich dann wieder kerzengerade auf den Besucherstuhl. Sein Blick wanderte durch das weiße Zimmer. Die kahle Wand wurde von einem schmutzigen Fenster unterbrochen. In der linken Ecke des Zimmers, also genau hinter ihm, hing ein Fernseher. Sein Nutzen war Ferdinand allerdings unklar, schließlich schaltete sein Vater ihn ja nie ein. Wie denn auch, er konnte ja nicht einmal die Finger bewegen, um die Fernbedienung zu benutzen, geschweige denn fernsehen oder zuhören.

Über dem Bett hing ein kleines hölzernes Kruzifix. Ferdinands Blick blieb daran hängen. Er sah Jesus mit der Dornenkrone und den Stigmata einige Minuten lang an. Sein bärtiges Gesicht war leidend, schicksalsergeben, dennoch weinte der Gekreuzigte nicht. Seine Hände und Füße bluteten, die Rippen hoben sich von seinem mageren Körper ab. Unter den Rippen sah man die Wunden, die man ihm mit den Lanzen in den Leib gestoßen hatte, um zu sehen, ob er noch lebte.

Ferdinand mochte das Kruzifix nicht. Vor einigen Wochen, als man seinen Vater hierhergebracht hatte, hatte Ferdinand beim Anblick des hölzernen Jesus Hoffnung geschöpft. Er hatte gedacht, nun ist er bei meinem Papi, er wird ihm schon wieder auf die Beine helfen, er und die Ärzte werden es schon richten. Es würde schon alles wieder gut werden. Doch nichts wurde gut, egal, wie oft er Jesus am Kreuze um Hilfe gebeten hatte. Erst hatte er ihn ganz leise und vorsichtig angesprochen und ein kleines Gebet aufgesagt. Er hatte geflüstert, weil er sich ein wenig geschämt hatte. Dann, als tagelang nichts passiert war, hatte er ihn angefleht. Er hatte geweint, hatte ihn wieder und wieder gefragt, wie er denn bloß seinem Vater helfen könne, doch Jesus hatte stets geschwiegen. Dann hatte Ferdinand die Wut gepackt und er hatte ihn angeschrien, er solle ihm endlich eine Antwort oder ein Zeichen geben, doch nichts war geschehen. Jesus hatte einfach nur weiter da oben an seinem Kreuz gehangen und Ferdinand hatte versucht, ihn zu strafen, indem er ihn nicht einmal mehr beachtete, wenn er ins Zimmer kam.

Jetzt verengten sich seine Augen und er ließ vom Kruzifix ab. Er drehte den Kopf, stand langsam auf und ging zum Fenster. Dieser ewige Schnee, er hörte einfach nicht auf. Immer noch fielen die Flocken dick und nass vom wolkenverhangenen Himmel und glitzerten im Schein der Straßenlampen, die den Parkplatz erhellten. Ferdinand mochte auch den Schnee nicht mehr, genau wie Jesus.

Früher einmal, da hatte er den Schnee geliebt. Sein ruhiges Weiß, die Kälte und die Stille, die er brachte, hatten ihm stets ein Gefühl der Geborgenheit gegeben. Doch nun hatte sich auch der Schnee als falscher Freund entpuppt und ihm das Liebste genommen. Eine Lawine war vor einem knappen Monat abgegangen und hatte seine Mutter erstickt und nahezu alle Knochen ihres schmalen Körpers zerbrochen. Man hatte sie geborgen, ihr Leben hing noch an einem seidenen Faden. Sie war ins Krankenhaus gebracht worden und dann auf dem Operationstisch ihren schlimmen Verletzungen erlegen.

Ferdinand sah sie immer wieder vor sich, wie sie auf dem Totenbett gelegen hatte, ihre schwarzen Haare, die sie sonst als Zopf trug, lagen offen auf dem Kissen. Ihre Augen waren geschlossen, ihr Gesicht weißer als der Schnee. Ihre feinen, schwarzen Wimpern hatten sich keinen Millimeter bewegt. Überall hatte sie dunkle Flecken gehabt, im Gesicht, am Hals, auf den Armen. Als er ihr einen Kuss auf die Stirn geben wollte, hatte sich ihre Haut ganz kalt angefühlt, die Wärme war schon Stunden zuvor aus ihrem zierlichen Körper gewichen. Er hatte sie sanft an den Schultern gepackt, Ferdinand hatte einfach nicht verstanden, dass sie tot war. Er begriff nicht, dass sie ihre Seele am Berg gelassen hatte, dass er nun keine Mutter mehr hatte. Er hatte sie bei den Oberarmen genommen und kräftig geschüttelt, doch der Körper seiner Mutter war starr liegen geblieben.

Er hatte seine Großmutter um Hilfe gebeten, doch diese hatte nur mit Schluchzen und einem Vaterunser reagiert. Ferdinand war wütend geworden, schreiend war er aus dem Zimmer gelaufen, hatte geflucht und die Ärztin angerempelt. Ein Pfleger war hinzugekommen, dann hatte der Großvater ihm eine ordentliche Ohrfeige gegeben und ihn an sich gezogen. Erst in diesem Moment hatte Ferdinand begriffen, dass seine Mutter Marie nicht mehr mit ihnen nach Hause kommen würde. Daraufhin hatte er sich zitternd auf einen Besucherstuhl gesetzt und eine halbe Stunde vor sich hingestarrt, bis sie endlich kamen, die erlösenden Tränen. Der Pfarrer, die Großeltern und die Ärztin hatten neben ihm gesessen, bis er sich wieder gefangen hatte.

Ferdinands Vater Reinhold hatte den Lawinenabgang im hinteren Martelltal überlebt. Er hatte es geschafft, in der Lawine zu schwimmen und an ihrer Oberfläche zu bleiben. Er wusste, wie man sich zu bewegen hatte und dass man vor dem Gesicht einen Hohlraum mit den Händen bilden musste, um sich wenigstens ein paar Minuten Sauerstoff zu sichern. Doch trotz seiner Geistesgegenwart und allen Geschicks war es ihm nicht gelungen, bei Bewusstsein zu bleiben. Man hatte ihn schließlich kopfüber im Lawinenkegel gefunden, er war ohnmächtig, die Lawine hatte seine Gliedmaßen verdreht. Mit dem Hubschrauber wurde er ins Krankenhaus nach Schlanders gebracht, wo man ein schlimmes Schädel-Hirn-Trauma festgestellt hatte.

Zwei Wochen lang hatte er im Koma gelegen, dann hatte er einen Moment lang das Bewusstsein wiedererlangt, die Familie und die Ärzte hatten Hoffnung geschöpft, doch was dann folgte, war schlimmer als der dauernde Schlaf. Ferdinands Vater hatte schlimme Schmerzen und wenn er nicht gerade vor sich hindämmerte, verkrampften sich seine Glieder und sein Gesicht. Er litt unter Fieberschüben und schaffte es oft kaum zu atmen, er röchelte und manchmal weinte er sogar dicke Tränen, die sein Kissen durchnässten. Die Ärztin hatte Ferdinand erklärt, dass diese Tränen von der Verletzung seines Gehirns herrührten, doch Ferdinand war sich sicher, dass Reinhold vor Schmerzen und aus Trauer um Marie weinte. Die Mediziner wussten nicht weiter, sie hatten ihn untersucht, wo sie nur konnten, die verschiedensten Arzneien ausprobiert, aber nichts schien zu helfen. Sein Körper hatte unter der Last der Lawine einen zu großen Schaden genommen, zu lange hatte seinem Gehirn der nötige Sauerstoff gefehlt.

Mit jeder Flocke, die vom Himmel fiel, wuchs Ferdinands Zorn auf den Schnee.

 

Das Buch ist bei allen Athesiafilialen und unter http://www.athesiabuch.it erhältlich. Auch als E-Book!

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